Jochen Glasbrenner mit seiner Ehefrau Nina beim Rekordversuch auf unserer Bahn

Weltrekord im dritten Anlauf

Kornwestheim – Die Proberunde sieht gut aus. Noch ein paar Minuten, dann wird es ernst. Was hier für eine Stimmung wäre, dürften mehr Menschen dabei sein. Aber auch so liegt dieses erwartungsvolle Flirren in der Luft, der heiße Belag der Kornwestheimer Inline-Bahn an der Bogenstraße flimmert dazu. Auf der nahen SVK-Tennisanlage liefern sich ein paar Sportler gut hörbar einen Ballwechsel. Doch dabei kann es unmöglich spannender zugehen als auf dem Areal der Skizunft. Die stille Aufgeregtheit steigert sich noch, als Nina Glasbrenner für die handgezählten zehn weiteren Anwesenden am Samstag kurz vor 16 Uhr mit ihren Erklärungen beginnt.

Ihr Mann Jochen wird gleich probieren, einen Weltrekord zu brechen. Der Feuerbacher wird an seinem 46. Geburtstag versuchen, drei handelsübliche Bälle zu jonglieren, während er dabei auf Inlineskates eine Strecke von 1400 Metern zurücklegt. Das Ganze soll offiziell als Guinness-Weltrekord anerkannt werden. Dafür braucht es Zeugen, allerlei Papierkram sowie eine genaue Dokumentation des Versuchs. Die liefert unter anderem Nina Glasbrenner selbst, die ihren Gatten mit einer Gopro-Kamera filmt, während sie mit dem Rennrad neben ihm herfahren wird.

Dann geht’s los, mit einem fliegenden Start. Jochen Glasbrenner schnauft noch einmal tief durch, dann setzt er sich in Bewegung. Sehr souverän absolviert er die erste der notwendigen sieben 200-Meter-Runden. Auch die zweite, dritte, vierte und fünfte Runde sehen gut aus. Bei der sechsten Umrundung meint man jedoch schon, so etwas wie Anstrengung in Jochen Steinbrenners Gesicht ablesen zu können. Zudem wird er merklich langsamer. Dennoch, die Bälle fliegen weiter von einer Hand in die andere. Dann, in der allerletzten Kurve von Runde 7, passiert es: Der Rhythmus ist plötzlich weg, ein Ball fällt, der Versuch ist vorbei. „Jetzt könnt’ ich das Ding ins Eck’ feuern!“, entfährt es Glasbrenner, während er kopfschüttelnd ausrollt.

Doch so leicht gibt er nicht auf. Mund abputzen, weitermachen, ohne Hartnäckigkeit kein Weltrekord. Das weiß Skizunft-Mitglied Glasbrenner, hält er doch bereits eine Bestmarke: als schnellster Inlineskater, der die Marathondistanz von über 40 Kilometern im Superheldenkostüm absolviert hat. Am 15. September 2018 brauchte er in Berlin 1:12.55 Stunden, verkleidet als The Flash.

Zurück an die Kornwestheimer Bogenstraße, wo es auch im zweiten Anlauf nicht hinhaut. Erneut ist in der allerletzten Kurve Feierabend. „Das ist Runde 7, da wird man nervös wie die Sau!“, ruft Glasbrenner dem Publikum zu. Zu den Zuschauern gehören auch Wendy Berheide und Thomas Güntter, die das Referat Inliner der Skizunft leiten. „Boah, ist das gemein“, findet Berheide.

Sie trägt vielleicht großen Anteil daran, dass es am Ende doch noch klappt mit dem Rekord. Denn Jochen Glasbrenner unternimmt noch einen dritten, einen letzten Versuch. Doch in Runde 4 weht der Wind plötzlich eine Serviette vom mitgebrachten Kuchen gefährlich in Richtung Bahn. Berheide reagiert flugs und fängt das Flugobjekt ein – es kann ungehindert weitergehen.

Und nun übersteht Glasbrenner auch die finale Runde. Jonglierend überquert er die Linie, danach kennt der Jubel kaum Grenzen. „In der letzten Kurve habe ich aber schon wieder gedacht: oh oh!“, gesteht er. Die Nervosität sei das Schlimmste gewesen. Zumal er auf den Versuch eine ganze Weile warten musste. Eigentlich war der März angepeilt gewesen – die Corona-Pandemie machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung.

Wenn nun alles glattgeht, darf sich Jochen Glasbrenner in rund zwölf Wochen über den Bescheid von Guinness World Records freuen. Dann ist seine neue Bestmarke offiziell. Zuvor hatte den Rekord ein US-Amerikaner innegehabt: David Rush war am 3. August in Boise (Idaho) auf einer Tartanbahn 1200 Meter gefahren, während er drei Bälle jonglierte.

Jochen Glasbrenner hat bereits neue Pläne für Bestleistungen. „Ich würde gerne einmal einen Zwölf-Stunden-Weltrekord schaffen“, sagt er. Aber dafür habe er noch keine passende Bahn gefunden. „Da muss es mindestens einen Kilometer geradeaus gehen.“

Quelle: Kornwestheimer Zeitung